Interessengemeinschaft Picho-Funk...DB0PIB/DP5V

Tropoausbreitung Richtung Nord - Februar 2017

13./14. Februar 2017 mit Lehrbuch – Tropoausbreitung Richtung Nord

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Die UKW-Überreichweiten am 13. und 14. Februar 2017 waren ein sehr schönes Beispiel für langlebige und weitreichende Ausbreitungsbedingungen mit guter Übereinstimmung von Vorhersage, tatsächlicher Wettersituation und Funkpraxis in Mittel- und Nord- Europa.

In den Jahren ruhiger Sonne rücken die physikalischen Effekte bei denen ohne Sonnenwind trotzdem VHF-DX Bedingungen auftreten können in den Vordergrund. Erst recht, weil wir uns erst auf dem Weg zum vorhergesagten Minimum der Sonnenaktivität für 2020 befinden und damit auch kurzzeitige Aktivitätsausbrüche, die zusammen mit Meteoriten für Es-Ausbildung sorgen, systematisch weniger werden. [1]

Dabei ist besonders zu sehr ruhigen Wetterlagen im Winter über längere Dauer mit troposphärischen Überreichweiten zu rechnen. So auch ab Mittag des 13.Februar 2017.

Auf das seit Tagen unbewegliche Hochdruckgebiet mit bis zu -17°C Nachttemperaturen mit Zentrum über Estland bewegte sich ein Nordseetief mit milden Wintertemperaturen zu. In den Überlappungszonen gleitet die Warmluft auf die bodennahe Kaltluft auf und man spricht von einer Aufgleitinversion. Inversion, weil mit steigender Höhe die Lufttemperatur zu- statt abnimmt, wie bei normalen Luftschichtungen. Da der Brechungsindex der Luft stark temperaturabhängig ist, werden elektromagnetische Wellen in der Überlappungsschicht gebrochen und weit über den Funkhorizont, der sonst nur durch Beugung entlang der Oberfläche bestimmt wird, hinausgeleitet. [2]




Bild1: Ausbildung Troposphärischer Wellenleiter


Dabei werden die Streckenrekorde für Rückstreueffekte der sporadischen E-Schicht wegen der geringeren Höhe über der Erdoberfläche i. A. nicht erreicht. Da die Tropo-Brechung innerhalb unserer Wetterschicht stattfindet, ist die Dichte der Luft und damit die Streckendämpfung größer als in der E-Schicht.

In Bild 2 ist diese Aufgleitinversion in der Draufsicht dargestellt. In die bei MMMonVHF aktuelle Bakenkarte für das 2m-Band wurde die Wetterlage eingezeichnet. [3]

Das Tief bewegte sich langsam auf das Hochdruckgebiet zu. Der Pfeil markiert Richtung und Betrag der Bewegung ab Mittag des 13.02. bis zum 14.02. ca. 15:00Uhr.

Die gelb markierten Baken wurden von DL5DSB an der Clubstation DP5V der Interessengemeinschaft Pichofunk in 500m ü. NN gleichzeitig gehört. Die vertikal gestockte 2x6El. Oberender-Gruppe war dabei auf LA2VHF in 1375km Entfernung ausgerichtet.

Ausserdem sind die in diesem Zeitraum gefahrenen QSOs eingetragen.

Zum Reichweitenvergleich sei bemerkt, dass wir die 3 „Hausbaken“ DB0LBV, DM0HVL und SR3VHX über Beugung täglich empfangen können und als Check für Antennen, Vorverstärker und Ausbreitung benutzen.


Bild 2: 2m-Bakenkarte mit Wetterlage über Nord- und Ostsee

 

Die UKW- Ausbreitungsvorhersagen [4] und [5] beschrieben schon ab Sonntag Abend für JO71 leicht gehobene Bedingungen in Richtung Nort Ost, die sich für ca. einen Tag halten sollten. Welch umfangreiche Daten der Meteorologie dafür in Modell-Berechnungen ausgewertet und grafisch dargestellt werden beschreibt Pascal F5LEN in [6].

Der tatsächliche Höhepunkt stellte sich ab 18:00Uhr am Montag den 13.02. ein. Ab da kamen viele OMs in den Genuss extrem rauscharmer DX-QSOs, die schon mit moderaten Leistungen zu S9 Rapporten führten.



Bild 3: Tropo-Berichte bei DXMaps


Im Maximum der Feldstärken gegen 02:00 Uhr waren LA2IMA und DL5DSB „allein auf weiter Flur“. Schade, dass trotz sehr guter Voraussage das Interesse am VHF-DX offensichtlich nachgelassen hat. So war Zeit die Empfangssituation der 11 Baken, die gleichzeitig hör- und sichtbar waren, zu bewerten. Verwendet wurde ein HA8ET Vorverstärker (18dB) mit Transverter TT-1210 (25dB) am Spektrum-Scope des IC-7300 (0dB), dessen S-Meter ja schon in verschiedenen Testberichten mit Messgerätequalität bewertet wurde.

Auf www.igpichofunk.de findet man unter VHF-Ausbreitung ein Video (ca. 18 Min.), in dem auch die tönende Qualität und u. a. die besondere Modulation von OZ7IGY, der „Mutter aller VHF-Baken“, zu hören und zu sehen ist. [7]

 


Bild 4: IC-7300 mit Transverter für 144MHz

Antennenrichtung entspr. Bild 2

 

Während der gesamten Zeit konnte man die Richtung maximaler Ausbreitung auch über das Abfallen des Rauschteppichs um bis zu 6dB mit dem Drehgerät ermitteln. Im Vergleich zur alltäglichen Beugungsausbreitung lag der Rauschpegel sogar um mehr als 10dB tiefer.

Durch Speichern des Alltags-Referenz-Pegels des Spektrum-Scopes am IC-7300 ist dieser Vergleich reproduzierbar herstellbar.

Im Fazit ist es einfach nur schade, dass im Zeitalter digitaler Betriebsmodi, die sehr viel technischen Aufwand voraussetzen, solche kostenlosen Geschenke der Natur kaum noch Beachtung finden. Bei stabilen Tropoverhältnissen reichen eine drehbare Antenne, ein Vorverstärker kurz danach und ein einfacher TRX mit 20W völlig aus. Zum Loggen reichen Papier und Bleistift. Als Schmankerl gibt es die Gelegenheit mal wieder ein längeres Gespräch in UKW-Qualität mit OMs in Europa zu führen, die man nicht jeden Tag erreichen kann und vielleicht von den viel häufigeren Öffnungen auf 50MHz kennt.

 

 

Literaturangaben

[1]               Jim Kennedy K6MIO/KH6: Midlatitude Es: Complex, Not Too Complicated

           DUBUS 2/2016 S. 86

           DUBUS 3/2016 S. 91

[2]               Dr. Matthias Hornsteiner DG4MHM: Prognosekarten für troposphärische Überreichweiten

              FUNKAMATEUR (2014) H. 2, S. 144-147

[3]              http://www.mmmonvhf.de/bcn_map.php

[4]              http://tropo.f5len.org/forecasts-for-europe/

[5]            http://www.dxinfocentre.com/tropo_nwe.html

[6]               Pascal Grandjean F5LEN: Forecasting the refractive index in the lower Layers of the troposphere – Application for amateur radio communications

              DUBUS 4/2016 S. 10

[7]              http://rudius.net/oz2m/ngnb/pi4.htm